Die Räucherkammer und der Sound – Ghost Brigade in Wiesbaden
von AK-74
Eine Headliner-Tour von Ghost Brigade, darauf hatte ich nur gewartet. Das neue Album Until Fear No Longer Defines Us setzte ebenfalls hohe Erwartungen in die Tour. Und Wiesbaden ist eine im Ticketpreis enthaltene S-Bahn-Fahrt entfernt, also in guter Reichweite für einen Besuch. Ursprünglich hatte ich auch zwei Tickets obwohl ich ohne Begleitung nach Wiesbaden in den Schlachthof fuhr. Das war anders gedacht, aber auch mehrfaches Feilbieten der überzähligen Karte auf Twitter brachten keinen Erfolg. Vor der Tür der Räucherkammer immerhin gab es Interessenten.
Eröffnen sollten den Abend die Amerikaner von IntrOnaut mit progressiven Post-Metal. Der Sound war in der Räucherkammer selbst schon recht dürftig, beim Gang aufs Klo war dann tatsächlich viel mehr und deutlicher zu hören als vor der Bühne. Dort schepperte es eher, das feine Gitarrenspiel verlor sich darin einfach. Dennoch konnten mich die Jungs überzeugen, es war ein ordentlicher Auftritt und ein guter Start in den Abend. So gut, dass ich das aktuelle Album auf Vinyl kaufte. Und ich bekam von einem der Bandmitglieder die Erlaubnis, das Fehlen eines Downloadcodes auf eigene Faust im Internet auszugleichen.
Es folgten A Storm of Light, die im Hintergrund Videos laufen ließen, die sich ausführlich mit Krieg, Flammen und Tod beschäftigten. Ich persönlich stehe ja auf sowas eher nicht und der Sound brach weiter ein, weshalb ich mit einem Bierchen in der Hand vor die Halle ging. Wahrscheinlich habe ich einfach nicht den Zugang gefunden, wegen mir hätte man diesen Auftritt auch weglassen können. Immerhin hatte ich vor der Räucherkammer von anderen Besuchern die Bestätigung, das der Sound wirklich schlecht war und es nicht an mir und meinen Ohren lag.
Nach der Umbaupause nahm ich wieder an der gewohnten Stelle rechts vor der Bühne in der Nähe der Bar meinen Platz ein. Das Intro krächtste aus den Boxen und verhieß schon jetzt nichts Gutes. Der Start mit “Clawmaster” fiel dann allerdings recht gut aus.
Die Begeisterung setzte sofort ein, auch beim Rest der Besucher in dem keinen Raum. Köpfe nickten und die eine oder andere Pommesgabel wurde gen Decke gereckt. Und tatsächlich konnte man ganz gut mitrocken, zu neuen Songs und denen der beiden vorangegangenen Alben.
Und dann plötzlich wurde mitten in einem Stück der Sound derartig grottig, dass die Stimmung zumindest bei mir schlagartig im Keller war. Der Gesang war so gut wie gar nicht mehr zu hören und der Rest wurde ein kratziger Matsch aus Schlagzeug und Gitarren. Nicht wirklich schön. Da die Band davon scheinbar nichts mitbekam spielte sie zunext weiter. Ich dagegen machte mich auf den Weg zur “Soundkanzel” um mich nach dem Problem zu erkundigen. Der junge Mann hinter dem Pult war sichtlich greizt und brüllte mich direkt an, das “the fucking p.a. is broke” und ich fing mir nen giftigen Blick. Ui, so war das ja nun nicht gemeint und ich sagt ihm, dass es sicher nicht sein Fehler sei. Jedenfalls zog er kurz darauf von dannen und verschwand hinter der Bühne. Dorthin ging auch die Band um sich zu beraten.
Nach einer kurzen Pause kamen sie zurück und fragten nach dem Sound. Das Ergebnis war schon merkwürdig, die rechte Seite gab einstimmig zu verstehen, dass der Sound Mist war, die Gäste auf der linken Seite dagegen waren wohl zufrieden. Ich prüfte das im Anschluß, denn die Zugaben wurden natürlich noch gespielt. Ja, auf der anderen Seite war wirklich besser zu hören, wenn auch immernoch nicht gut. Meine Stimmung jedoch war nunmal im Keller und wollte sich auch nicht so recht erholen. Immerhin schloß ich per Handschlag und mit einem kühlen Bierchen Frieden mit dem Herrn am Mixer, der mir jetzt auch freundlicher begegnete.
Die Show endete dann eher als von mir erwartet und ich nahm die Beine in die Hand um die vorletzte S-Bahn nach Frankfurt zu erwischen. Ein kleiner Sprint tut ja nach ein paar Bierchen immer wieder gut und auf eine Wartezeit von über ner halben Stunde hatte ich in diesem Moment echt keine Lust. Lust habe ich aber auf ein nextes Konzert von Ghost Brigade, dann vielleicht wieder im Colos-Saal, deren Anlage ist einer solchen Band angemessen.
Dank u wel.
Posted: November 3rd, 2011 under allgemein.




