Metal & Beer – Wacken Open Air 2009
von AK-74
Kurzfristig sollte es sich noch zum Guten wenden. Denn nachdem die Tickets für das diesjährige 20. Jubiläum des weltweit größten Metal Festivals, dem Wacken Open Air, bereits im Dezember des letzten Jahres ausverkauft waren, sah es schlecht aus, den Geburtstag in diesem Rahmen zu begehen. Und dann kam drei Wochen vor dem Ereignis ein Anruf, ob ich denn noch Interesse hätte, nach Wacken zu fahren. Klar! Urlaub hatte ich schon Anfang des Jahres genommen, und so stand dem Vorhaben nix mehr im Weg.
Die Planung sah zunext noch eine Anreise mit der Bahn vor, da wir zu dritt waren, rückte aber auch ein Mietwagen auf einmal in die nähere Betrachtung. Und wegen des Komfortgewinns fiel die Wahl auch auf Selbigen. So konnten alle Einkäufe bequem vor der Reise erledigt werden und neben den Zelten auch noch ein Pavillon und Grillzeug mitkommen. Natürlich muss ein Auto für die Fahrt zum Wacken Open Air zünftig geschmückt werden. Auch unseres.
Zu dritt machten wir uns auf den Weg nach Norden, auf der Strecke sollte noch ein zweites Zelt abgeholt werden, ansonsten verlief die Hinfahrt trotz vieler Baustellen recht glatt. Kurz nach zehn am Abend waren wir dann in Wacken und wurden auf Area R zum Halt eingewiesen. Die Begrüßung hätte nicht freundlicher sein können, selbst an das uns zustehende Feuerwerk wurde gedacht. Der Zeltaufbau ging dann recht fix, mit meinem Quechua Zelt bin ich natürlich im Vorteil, einfach aufklappen und acht Heringe in den Boden drücken, fertig. Der Pavillon brauchte etwas länger, aber innerhalb kurzer Zeit konnten wir es uns gemütlich machen und ein angenehm warmes Schloss Pils trinken.
Eine erste Runde über das Festivalvorgelände zur Bändchenausgabe musste natürlich noch sein, und mit Full Metal Bag sowie dem Eintrittsbändchen ausgerüstet gings zurück zum Lager um den Grill anzuwerfen und die erste Ladung Würstchen zu essen. Und nebenher das erste Fäßchen Bier zu leeren. Mehr war dann auch in dieser Nacht nicht mehr nötig, um uns in den Schlaf zu bringen. Mein neues Campingkissen hat dabei übrigens hervorragend geholfen, das war wohl eine der besten Investitionen des Jahres. Vom Regen in der Nacht hab ich persönlich nix mitbekommen, wahrscheinlich war der Schlaf nach der langen Fahrt und dank des Kissens einfach ein bischen tiefer.
Der folgende erste Festivaltag sollte für mich gleich ein echtes Highlight bereithalten. Bis es allerdings soweit war, gings erst nochmal über den Campingplatz und zu den Merchandisingständen. Und bei der Kollegin Nina mussten und wollten wir uns ja auch mal blicken lassen. Ausgestattet mit Kühlschrank, Gefriertruhe und Basketballkorb machte es nicht den Eindruck auf nem Festival zu sein. Aber Vorbereitung ist ja bekanntlich alles und wenn genug Leute mit anpacken, dann geht auch das. War auch nicht die ungewöhnlichste Unterkunft, immerhin wurde in Zelten geschlafen, während andere gleich mit großen Bussen angereist waren.
Nachdem in mächtig lustiger Runde der Hintergrund ordentlich mit Bier angemalt war, ging es dann aber langsam zum Ernst der Veranstaltung über. Es sollte eine geheime Band spielen, nachdem Anthrax nicht mehr spielen würden. Secret Band war dann J.B.O., von denen ich allerdings nichts mitbekam, da ich zeitgleich beim Meet&Greet mit Lacuna Coil war. Einer der wichtigsten Gründe, überhaupt nach Wacken gekommen zu sein. Shake Hands, die Information über ne Tour in Europa im Januar/Februar und das signierte Wackenticket waren dann schon mal was zum Start ins Festival, und mehr sollte ja noch kommen. Das Erworbene wollte nun natürlich in Sicherheit gebracht werden und etwas Hunger machte sich auch breit, also ging es wieder zurück zu den Zelten. The BossHoss hörten wir nur im Hintergrund während des Weges.
Frisch gestärkt und ziemlich aufgeregt fand ich mich kurze Zeit später in den forderen Reihen vor der Party Stage wieder, wo Lacuna Coil ne knappe Stunde Gas gaben. Schön gemischt zwischen alten Songs und solchen vom neuen Album “Shallow Life” ging auch ordentlich die Post ab. Nur bei einem Stück musste ich mich beruhigen, mit dem komm ich einfach nicht klar. Immerhin hatte ich so die Gelegenheit, ein paar Fotos zu schiessen. Auf alle Fälle war es eine gewaltige Show, und ich war im Anschluss kaum in der Lage meiner Freude und Begeisterung Ausdruck zu verleihen.
Lacuna Coil – Fragile live at Wacken 2009
Noch ziemlich aufgekratzt konnte natürlich nicht Schluss sein, und es gab ja auch noch eine Band am ersten Abend. Heaven & Hell sind ja inzwischen auch schon ne gefühlte Eweigkeit auf der Bühne zu Hause und mit reichlich Licht und Musik konnte der Abend auch gut ausklingen. Zumindest musikalisch. Denn am Zelt warteten ja noch Grill und das zweite Bierfäßchen. Ersterer wurde angeheizt um die restlichen Würstchen zuzubereiten und Zweiteres wurde angezapft um die Becher zu füllen. Allerdings sollte das Fass heute nicht alle werden.
Und so gab es dann zum Geburtstagsfrühstück auch gleich ein Bier vom Fass, wenn auch nicht so kalt, wie man es sich vielleicht wünschen würde, wäre man nicht auf nem Festivalzeltplatz. Während der Nacht hatte es ordentlich gestürmt und geregnet und dieses Mal hatte auch ich davon Notiz genommen. Immerhin hielt das Zelt. Guter Kauf. Allerdings war es wohl etwas zu viel Wetter für unseren Pavillon. Und auch die Wege hielten das viele Wasser und die vielen Menschen nicht aus. Riesige Schlammpfützen breiteten sich aus und der eine oder andere konnte es nicht lassen, ein ausgiebiges Bad darin zu nehmen.
Für uns war aber die Musik wichtiger als die Badenden. Eröffnen sollten den zweiten Tag Napalm Death auf der Party Stage. Hart und mit klarer politischer Aussage begann der Festivaltag. Und auch mit dem One Second Song. Natürlich waren mehrheitlich Männer auf dem Gelände unterwegs, was sich auch in der ewig langen Schlange vor den Herrentoiletten ausdrückte, während ganz im Gegensatz zum üblichen Erscheinungsbild irgendwo sonst auf der Welt bei den Frauen völlige Leere herrschte. Aber das auch nur am Rande. Während des W:O:A gab es auch wieder die Metal Battle, bei der die jeweiligen Landessieger der Battle einen Auftritt im Zelt auf der Wet Stage hatten. Für Italien waren Ade am Start, die wir uns vor dem Mittagessen noch anschauen konnten. Ganz solider Death Metal.
Nach dem Essen gabs für uns dann Nevermore, auf dem gemeinsamen Festivalplan von Christoph mit drei(!) Pflichtkreuzchen versehen. Die Show war dann auch ganz gut, in der Mittagssonne, mit nem Bierchen und lauter Musik. Und nach der Aufforderung des Sängers konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mir selbst mit einem Flug über die Massen vor der Bühne ein kleines Geburtstagsgeschenk zu machen. Es ist ja schon echt lange her gewesen, dass ich das zuletzt gemacht habe, aber verlernt hab ich es nicht. Der Flug ging wunderbar glatt und hat die gewünschte euphorisierende Wirkung auf mich gehabt. Und ich habe mir bis hier her auch noch nix getan, zumindest ist es mir nicht bewußt. Ich werde später darauf zurückkommen.
Nexter Programmpunkt für uns war Motörhead, bis zu deren Auftritt noch etwas Zeit war. Also nahmen wir im Wet Stage Zelt das Ende von Callejon mit und es ging mal wieder über den Metalmarkt. Pünktlich zur Show von Motörhead allerdings war dann auch das Festivalgelände richtig voll. Weit nach vorne zu kommen war schon schwierig. Aber auch in den hinteren Reihen war die Stimmung zu spüren und Spaß hatten wir auch dort. Für mich gab es nur die halbe Show, ein weiteres Highlight für mich forderte meine Vorbereitung.
Vor der Party Stage wollte ich bei Epica dann doch etwas weiter vorn stehen und mitten im Geschehen sein. Die Show war einmal mehr gewaltig, schwere Gitarren, Grunts und der Gesang von Simone Simons. Und reichlich Pyrotechnik, Blitze und Feuerfontänen, meterhohe Flammen. Eigentlich kann man dazu nicht viel mehr sagen als dass ich wirklich begeistert war. Diesmal hielt sich meine Aufregung auch nach dem Konzert in Grenzen, und so konnte ich zwar keinen der begehrten Drumsticks fangen, aber das von der Bühne geworfene Dosenbier fand den Weg in meine Hände. Immerhin, durstig war ich ja doch.
Epica – “Fools of Damnation” live at Wacken 2009
Während ich bereits am vereinten Treffpunkt am St. Pauli Souvenirstand wartete, beendeten In Flames ihr Konzert mit Feuerwerk. Kurz darauf trafen auch die beiden Anderen ein und wir konnten zu Doro aus der Ferne das Epica-Bier teilen. Vielleicht war das auch nicht mehr wirklich nötig, ich jedenfalls hatte nach dem langen Sitzen plötzlich das Gefühl, nach Hause ins Zelt zu müssen. Sollte der Tag für mich wirklich schon zu Ende sein? Nein.
Nach einem kurzen Stück Gehen war ich auf einmal wieder hellwach, alles war prima und ich konnte zurück auf Festivalgelände. Jetzt hatte ich natürlich die Begleiter verloren. So schlimm war das aber nicht. Amon Amarth hab ich aus angemessener Distanz gesehn, allerdings auch nicht komplett, nach ner Weile ging es zurück zur Party Stage, wo ASP für eine überschaubare Menge spielte. Musikalisch lag mir das in dem Moment auch eher, elektronisch und nicht zu schnell, als Abschluss des Tages genau richtig. Und auch der anschliessende Heimweg ging nicht ganz so schnell, ich hab aus versehen einen komplett neuen Weg eingeschlagen und war schon irgendwie froh, das Zelt wiedergefunden zu haben. Viel passierte dann auch nach Ankunft der beiden Anderen nicht mehr, ein kleines Bierchen als Schlummertrunk und dann ab ins Zelt. Eingeschlafen bin ich echt gut.
Allerdings bin ich plötzlich von heftigen stechenden Schmerzen im rechten Brustkorb aufgewacht. Was war das? Verdammt, ich wusste nicht, dass ich mir irgendwas getan haben sollte. Umdrehen und weiterschlafen. Autsch. Weiterschlafen. So richtig ging das nicht. Komisch.
Beim Frühstück war dann immer noch nicht alles gut. Hmm, egal, erstmal zur Bühne und die Norweger Einherjer sehen. Dazu das letzte Bier des Festivals für mich, denn ich sollte ja am nexten Tag fahren. Musikalisch leitete ich den Tag dann schon nordisch ein, was sich bis zum Abend durchziehen sollte. Eine Ausnahme hier waren die folgenden Rage. Mit Feuer und einer krachigen Rockshow begeisterten sie das Publikum. Für mich war es allerdings im Gedränge an diesem Tag nicht mehr so ganz angenehm, weshalb ich mich nach hinten und nach unten in den Schneidersitz begab. Musikalisch war es trotzdem sehr ordentlich.
Unser nexter Programmpunkt sollte Borknagar werden, allerdings erst nach den Mittagsravioli am Zelt. Die Norweger waren ein Wunsch von Axel, und da wir ja schonmal nordisch waren, sollte das auch so bleiben. Es gab Black Metal aus der gesamten Schaffenzeit der Band und die Anwesenden waren gut dabei und verziehen die Verzögerung und die kleinen technischen Probleme, feierten dafür bei den Songs richtig. In praller Mittagssonne wirkt die Musik völlig anders, leichter und scheinbar aufmunternd. Zumindest macht es mir ziemlichen Spaß.
Und auch wenn man den Eindruck bekäme, wir wären ständig am Essen gewesen, es gab schon wieder Nahrung aus Dosen. Diesmal vor Volbeat, die ich mir nur aus weiterer Entfernung angesehen habe. Musikalisch und von der Show ein Highlight, das schau ich mir bestimmt nochmal ohne Handicap an. Und dann auch von weiter vorn. Für die große Schlacht bei Machine Head war ich ebensoweinig bereit und es war auch unglaublich voll. Also gings für mich wieder zur Party Stage, um dort die mir bis dahin unbekannten Enslaved anzuschauen. Die Wikinger haben ganz gut gerockt und ich habe zwischenzeitlich sogar die Schmerzen vergessen. Am Ende war es ne gute Wahl, zu dieser Show gegangen zu sein.
Nachdem sowohl Enslaved als auch Machine Head ihre Shows beendet haben, treffe ich auch die beiden Begleiter wieder und wir begeben uns zur letzten Band für uns. Korpiklaani sollen uns mit ihrem finnischen Spaßmetal einheizen, es geht viel um Alkohol, den wir ja an diesem Tag nicht mehr trinken sollten. Immerhin war es ein unterhaltsamer Abschluss des Festivals.
Auf dem Rückweg zum Zelt begleiteten uns die Klänge von Subway to Sally, die entweder verdammt laut spielten oder deren Musik vom inzwischen gedrehten Wind über den Zeltplatz getragen wurde. Auf jeden Fall war selbst im Zelt noch jedes Wort zu verstehen. Als dann endlich Ruhe war, wurde auch recht schnell geschlafen. Immerhin wollten wir zeitig aufstehen.
Das gelingt auch, in den zwei Stunden von acht bis zehn am nexten Morgen wird alles abgebaut und im Auto verstaut, abgesehen vom gesammelten Müll. Ohne Zeit mit Frühstück zu verlieren geht es auf die Strasse, immerhin liegt ja eine ordentliche Strecke vor uns, die reichlich mit Baustellen gespickt ist. Allerdings brauchen wir bis zur ersten Baustelle schon vier Stunden. Wegen der regen Rückreise ist die Autobahn bis zum Flaschenhals Elbtunnel so verstopft, dass es kilometerlange Staus gibt. Und auch nach dem Passieren von Hamburg wird es nicht besser. Die Baustellen auf der A1 rauben den letzten Nerv und die Hälfte der Strecke ist nach neun Stunden Stop and Go geschafft. Immerhin ging es danach recht flüssig weiter, und gegen Mitternacht konnte ich das Auto daheim abparken.
Ach nein, wieso sollte das denn so einfach sein. Noch vor den letzten zwei Metern rückwärts fahren ist die Polizei der Meinung, mich anhalten zu müssen. So dicht aufgefahren wie nur möglich und mir das Einparken unmöglich machen. Hmm.. Warnblinker an und damit erst recht dran. Was jetzt folgt ist eher Comedy, allerdings war mir inzwischen gar nicht mehr zum Lachen. Man wäre mir schon länger hinterhergefahren und meine Fahrweise würde ganz sicher auf Alkohol- bzw. Drogenkonsum hinweisen. Wie bitte..? Ein bischen Enttäuschung war dann schon zu erkennen, als ich die Tests mit Null und Bravour absolvierte. Und jetzt frag ich mich natürlich, was auf den erwarteten Konsum hingedeutet hat. Vielleicht, dass ich mich auch nachts an die STVO gehalten habe, Geschwindigkeit, Gurt, Stopschilder..? Aber mal ehrlich, wenn ich eines davon nicht eingehalten hätte, wär ich schon eher dran gewesen.
Endlich in den eigenen vier Wänden, frisch geduscht und mit nem kühlen Getränk konnte ich dann die vergangenen vier Festivaltage nochmal Revue passieren lassen und mich trotz der inzwischen deutlich spürbaren Erschöpfung über das Erlebte freuen. Es war ein tolles Festival mit tollem Wetter, meist zumindest, mit angenehmer Gesellschaft und jeder Menge guter Musik.
Dank u wel.
Posted: August 8th, 2009 under gehört, gesehen, unterwegs.
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